Qualität & Sicherheit

Sonderfall Schweiz: auch bei der Tierfütterung

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Wiederkäuer in der Schweiz fressen überwiegend Raufutter: 87% des Speiseplans drehen sich um Gras, Heu oder Silage. Um den Eiweissbedarf der Tiere zu decken, braucht es jedoch auch Kraftfutter: Dazu gehört unter anderem Soja.

Dass Wiederkäuer Gras fressen, das ist wohl jedem klar. Da die heutige Nutztierhaltung aber eine grössere Energiezufuhr und vor allem Eiweissabdeckung verlangt, wird von vielen Betrieben zusätzlich eine Ration Kraftfutter verfüttert, um diesen Bedarf zu decken.

No Food Waste: Verwendung von Nebenprodukten aus der Lebensmittelproduktion

Durch den hohen Raufutteranteil kann die Schweiz bei der Fütterung auf einen hohen Inlandanteil stolz sein: 85,2% der Futtermittel stammen aus der Schweiz. Die Futterration unserer Grasfresser zeichnet sich im Vergleich zum Ausland durch einen sehr hohen Anteil an Raufutter und wenig Kraftfutter aus. 

Auch Nebenprodukte aus der Lebensmittelproduktion werden bei uns als Futtermittel verwendet. Das bedeutet: Bei Ackerfrüchten, die vom Menschen direkt verzehrt werden können wie Getreide, Eiweisspflanzen und Ölsaaten, gelangt jener Teil in die tierische Fütterung, welcher für die menschliche Ernährung nicht verwendet werden kann. Bei einem Weizenkorn beispielsweise werden nur gut zwei Drittel für den menschlichen Verzehr verwendet, der Rest wird als Futtermittel für Tiere genutzt. Bei den Ölsaaten liegt der Anteil für die menschliche Ernährung zum Teil deutlich tiefer. So wird die Verschwendung wertvoller Rohstoffe verhindert und das ganze Korn genutzt.

Gentechfreier, verantwortungsbewusster Sojaanbau

Aber auch beim importierten Kraftfutter und speziell bei der Soja bleibt die Schweiz ein Sonderfall: Denn bei uns darf nur gentechfrei angebaute Soja verfüttert werden. 96% der importierten Sojaprodukte stammen aus verantwortungsbewusstem, zertifiziertem Anbau. Verantwortungsbewusst heisst, die Soja stammt aus Gebieten ohne Abholzung und die Rechte der indigenen und lokalen Bevölkerung werden berücksichtigt. Die vom «Soja Netzwerk», dem Kompetenzzentrum der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft für alle Fragen und Belange rund um Soja für Futtermittelzwecke, akzeptierten und in Brasilien angewandten Standards verbieten den Sojaanbau auf Flächen, die nach 2008 gerodet wurden. Dies wird u.a. mit Satellitenbildern überwacht.

Wer deshalb Schweizer Fleisch konsumiert, kann darauf vertrauen, dass keine gentechnisch veränderten Futtermittel verwendet wurden. In der EU ist dies beispielsweise nicht in derselben Art und Weise geregelt: So muss gentechnisch veränderte Soja nur in Nahrungsmitteln für die menschliche Ernährung, nicht aber in den Futtermitteln deklariert werden. Und trotzdem gilt für den «Sonderfall Schweiz» noch immer: Unsere Grasfresser haben grösstenteils artgerechtes Raufutter auf dem Speiseplan.